25.11.2014 - ISB-Info Nr. 17, Geschädigteninformation

Konkursverfahren ISB Holding Anstalt und ISB AG (Liechtenstein):

Anfechtungsklagen des Masseverwalters:
Inzwischen liegt der 6. Zwischenbericht des Masseverwalters vor. Der Masseverwalter berichtet, dass diverse Anfechtungsklagen für die insolventen Gesellschaften geführt wurden. Dabei wurden Auszahlungen der insolventen Gesellschaften angefochten. Bisherige Erfahrungen haben leider ergeben, dass die so herein gebrachten Gelder oftmals durch den Verfahrensaufwand wieder verbraucht werden. In welchem Ausmaß diese Anfechtungsklagen des Masseverwalters erfolgreich geführt wurden, kann erst beurteilt werden, wenn eine schlussendliche Abrechnung durch den Masseverwalter erfolgt ist. Wir werden diesbezüglich weiter berichten.

Verantwortlichkeitsklagen:
In den Verantwortlichkeitsverfahren der insolventen ISB AG gegen frühere Verwaltungsmitglieder (unter anderem auch Reinhold Wohlwend) hat der Fürstliche Oberste Gerichtshof mit Beschluss vom 09.05.2014 die Instanzurteile aufgehoben und die Sache zur Neuverhandlung und Entscheidung an die erste Instanz zurückverwiesen. Interessanterweise wurde dabei vom Obersten Gerichtshof aufgetragen, dass von der ISB AG zuallererst  der „erlittene Schaden“ nachgewiesen werden solle. Allein die Tatsache, dass Einzahlungen durch Anleger erfolgten, begründet noch keinen Schaden der Gesellschaft. Diese Entscheidung ist insbesondere im Lichte der von Dr. Vogl geführten Verfahren gegen Reinhold Wohlwend interessant. Der Fürstliche Oberste Gerichtshof deutet an, dass der Schaden nicht den ISB Gesellschaften selbst, sondern tatsächlich den getäuschten Anlegern entstanden ist.

Klagen Dr. Vogl gegen Reinhold Wohlwend:
Im Verfahren, in denen getäuschte Anleger direkt gegen Reinhold Wohlwend geklagt haben, liegen inzwischen Sachverständigengutachten vor. Über die besagten Gutachten berichtet der Masseverwalter Folgendes:

  • Zahlungsunfähigkeit der ISB AG zum 01. Januar 2004 ist jedenfalls zu vermuten (dauerhafte Unterdeckung des Systems ISB).
  • Die ISB AG und die ISB Holding Anstalt sind aus wirtschaftlicher Perspektive als Einheit zu sehen.
  • Das ISB System war ab dem ersten Geldeingang, somit mit dem ersten Kunden, nicht überlebensfähig.
  • Die Einblicknahme Möglichkeiten und somit der Pflichtenkreis des Beklagten Reinhold Wohlwend wird als größtmöglich bezeichnet, bei sorgfältiger Arbeit des Beklagten Reinhold Wohlwend hätte er erkennen müssen, wie Manfred Dobler mit fremden Geld nach eigenen Vorstellungen schaltet und waltet.
  • Die Vorschriften über eine ordnungsgemäße Rechnungslegung wurden sowohl bei der ISB AG als auch bei der ISB Holding Anstalt von Anfang  an nicht eingehalten.
  • Auf Basis eines ordnungsgemäßen, wirtschaftlichen Gebarens hätte die Überschuldung der ISB AG zum 01. Januar 2004 erkannt werden müssen, es fehlten Sicherheitseinrichtungen und Kontrollmechanismen.


Diese Erkenntnisse aus den Sachverständigengutachten stellen die Verantwortlichkeit des Verwaltungsrates Reinhold Wohlwend dramatisch dar. Da allerdings der Verantwortlichkeitsprozess zwischen der ISB AG und deren Aufsichtsorganen wieder in erster Instanz ist und sich auch die uns bekannten Direktklagen immer noch in erster Instanz befinden, kann davon ausgegangen werden, dass diese Prozesse noch einige Zeit andauern werden.

Auch ein Abschluss der Konkursverfahren in Liechtenstein hängt vom Abschluss der Verantwortlichkeitsprozesse ab. Es ist daher nicht damit zu rechnen, dass in naher Zukunft eine diesbezügliche Entscheidung erfolgen wird.

Wir werden weiterhin berichten.


rm 1231/09 ec, 25.11.2014